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Marktplatz - Deutsche Sprache in der Wirtschaft
Sendemanuskript
Folge 14:
Marketing
Thema:
Markteinführung eines neuen Produkts
Autoren:
Christina Gruber und Daniel Delhaes
Redaktion:
Thomas Kirschning
Die Personen:
Gregor Michaeli:
Ingenieur
Peter Wenkel
Produktmanager
Sprecher:
Sprecherin:
Sprecherin 2:
Lautsprecherstimme im Supermarkt
Im O-Ton
:
Heinz Grüne, IFM Köln
Bernd Ziegener
DMB&B Werbeagentur
Claudia Bach
DMB&B Werbeagentur
Peter Wenkel:
Ah, das ist also die neue Abfüllanlage?
Gregor Michaeli:
Genau, mit der schaffen wir jetzt 100 Flaschen pro Minute. Vorher waren es 80.
Jupp, fahr 'mal
die Kisten weg, sonst haben wir gleich wieder 'nen Stau! Ja, die Anlage läuft fehlerlos.
Peter Wenkel:
Interessant. Tja, ich als Produktmanager sorge zwar dafür, dass wir unsere Produkte an den
Mann bringen, aber wie das Ganze hergestellt wird, das kriege ich ja nur selten mit.
Gregor Michaeli:
Kürzlich ist uns eine ganze Palette Flaschen umgekippt. Das war vielleicht eine Sauerei, ich kann
Ihnen sagen...
Peter Wenkel:
Mit Dosen wäre das nicht passiert...
Gregor Michael:
Dosen?
Peter Wenkel:
Tja, wir überlegen in der Zentrale, ob wir nicht auch Dosengetränke ins Sortiment nehmen.
Gregor Michaeli:
Wodka aus Dosen? Bitteschön, wer soll denn so etwas kaufen?
Peter Wenkel:
Moment, Moment... natürlich soll der Wodka nicht pur in die Dose, sondern als Mixgetränk.
Vielleicht mit Lemon gemischt. Wodka-Lemon, kennen Sie doch.
Gregor Michaeli:
Hm. - Nicht schlecht. Wie kamen denn die Leute von der Produktabteilung auf diese Idee?
Peter Wenkel:
Ja, der Maier von der Vertriebsleitung hat uns kürzlich bei einer Konferenz darauf aufmerksam
gemacht, dass Mixgetränke immer mehr im Trend sind. Und die Konkurrenz ist schon längst auf
dem Markt. Die mischen ihren Wodka jetzt mit Orangensaft und vermarkten das Ganze fertig
gemixt. Und Cola-Rum, Whisky-Cola, das gibt's alles schon. Wenn wir nicht bald reagieren, fährt
der Zug ohne uns ab. Die Marktanteile sind schnell vergeben.
Gregor Michaeli:
Jetzt muss ich aber doch noch mal nachfragen. Warum denn gerade in Dosen?
Peter Wenkel:
Ein Ergebnis der allwissenden Marktforschung: Untersuchungen haben wohl gezeigt, dass vor
allem junge Leute ganz gerne diese Mixgetränke kaufen. Und die wollen wir endlich auch
ansprechen. Puren Alkohol zu trinken, ist bei 20jährigen nicht mehr angesagt. Und: Die wollen
anscheinend lieber direkt aus der Dose trinken. Ex und hopp. Sagen zumindest die
Marktforscher.
Gregor Michaeli:
Na, dann muss es ja wohl stimmen. Aber wissen Sie, ich für meinen Teil, Wodka aus Dosen, da
könnte ich mich nicht dran gewöhnen. Mein Wodka muss aus der Flasche getrunken werden, so
wie früher.
Sprecherin:
Wenn ein Unternehmen ein neues Produkt einführen möchte, sind verschiedene Faktoren für
den Erfolg dieses Produktes wichtig. Entscheidend ist zum einen natürlich die gute Qualität des
Produkts. Zum anderen muss das Produkt richtig vermarktet werden.
Sprecher:
Der Hersteller muss den Markt genau kennen, auf dem er sein neues Produkt einführen möchte.
Dazu braucht er viele Informationen. Vor der Markteinführung muss zuerst festgestellt werden,
ob und wie sich das Produkt verkaufen lässt. Diese Aufgabe übernehmen
Marktforschungsinstitute. Die Tätigkeit der Marktforscher erklärt Heinz Grüne vom IFM-Köln,
dem Kölner Institut für qualitative Markt- und Wirkungsanalysen:
Heinz Grüne:
Zunächst mal geht es ja darum, dass man feststellt, ist überhaupt ein Bedarf da, also gibt es so
was wie mögliche Nutzer, mögliche Abnehmer eines neuen Produkts. Wobei man dann auch
noch mal unterscheiden könnte, aha, gibt's das Produkt überhaupt nicht, solche Produkte
werden ja sehr selten eher eingeführt, meistens handelt es sich ja um neue Marken oder um
Produktvarianten. Dann geht es also darum, dass man mal schaut, -aha, besteht dafür ein
Bedarf. Und da übernimmt die Marktforschung so etwas wie eine Übersetzerrolle.
Sprecherin:
Marktforschungsinstitute tragen alle wichtigen Daten über den betreffenden Markt zusammen.
Sie untersuchen, welche Konkurrenzprodukte bereits auf dem Markt sind und was sie kosten.
Sie überprüfen, ob Bedarf an dem Produkt besteht, das heißt, ob überhaupt jemand das
Produkt kaufen möchte. Außerdem untersuchen die Marktforschungsinstitute, für welche
Zielgruppe das neue Produkt in Frage kommt.
Heinz Grüne:
Gibt es schon ähnliche Produkte, gibt es Konkurrenzprodukte, Konkurrenzmarken, die sich hier
im Markt bewegen und die eventuell ähnliche Leistungen erbringen. Dann muss man fragen, an
wen wollt Ihr das denn überhaupt verkaufen, also wer wären denn mögliche Ansprechpartner,
Zielgruppe heißt hier das Stichwort.
Sprecher:
Die Herstellerfirma entwickelt das neue Produkt und lässt über die Marktforschung dessen
Erfolgschancen ermitteln. Um das neue Produkt nun auch im Markt zu platzieren, benötigt die
Herstellerfirma die Hilfe verschiedener Dienstleistungsagenturen.
Sprecherin:
Für eine ansprechende und funktionelle Verpackung sorgt die Design-Agentur. Dort wird das
Aussehen der Verpackung entworfen. Genauso wichtig wie die Verpackung ist der Name des
Produkts. Es gibt mittlerweile spezielle Agenturen für den Entwurf von neuen Produktnamen.
Diese Namens-Agenturen überprüfen gleichzeitig, ob es diesen Produktnamen schon gibt,
national, europaweit und weltweit. Das ist wichtig, wenn das Produkt exportiert werden soll.
Einen Produktnamen wieder zu ändern, kann schwierig werden, wie Heinz Grüne weiß:
Heinz Grüne
:
Wenn schon bei der Einführung Fehler gemacht werden, sind die später eigentlich kaum noch
zu beheben. Man hat es ja immer wieder dann auch erlebt, dass man z.B. einen falschen Namen
gewählt hat, der nicht zu einem Produkt passt. Man kann aber nicht während ein Produkt läuft
ohne weiteres den Namen ändern. Das geht nur mit ungeheurem Werbeaufwand, weil man es
ja sonst nicht versteht.
Sprecherin:
Die Ergebnisse der Marktforschung liegen nun vor, das Produkt hat einen Namen und ein
Gesicht, nämlich eine ansprechende Verpackung. Der nächste Schritt, den ein Unternehmen bei
einer Produktneueinführung unternimmt, ist der Gang zur Werbeagentur. Welche Funktionen
solche Agenturen haben, erklärt Bernd Ziegener. Er ist stellvertretender Geschäftsführer bei der
Düsseldorfer Werbeagentur DMB&B.
Bernd Ziegener:
Werbeagenturen sind Dienstleistungsbetriebe. Sie arbeiten immer im Auftrag von Kunden, die
Basis sind in diesem Fall Verträge, die oft über viele Jahre niedergeschrieben sind. Die Aufträge
können kommen von Markenartiklern, also Herstellern von bedeutenden Marken, die Aufträge
können kommen von Handelsunternehmen, oder auch selbst wiederum von Dienstleistern, wie
zum Beispiel Banken oder Flugdienste. Die Werbeagenturen haben im Kern eine zentrale
Aufgabe zu erfüllen. Sie verlängern nämlich das Wissen der Kunden um das Wissen der
sogenannten Konsumenten. Im Regelfall erfindet der Kunde das Produkt, das ist nicht Aufgabe
der Werbeagenturen. Wir formulieren dann, wenn das Produkt konkret wird, in seiner Leistung
definiert ist, eine zentrale Werbebotschaft. Und diese Werbebotschaft soll das Produkt oder die
Dienstleistung von allen anderen abheben, differenzieren. Der Konkurrenzdruck, wie wir
wissen, ist erheblich. Es gibt keine Märkte, wo es solitäre Produkte gibt.
Sprecher:
Die Werbeagentur übernimmt die sogenannte Vermarktung. Die Agentur sorgt dafür, dass die
Existenz des neuen Produkts auch bekannt wird: Bei den Händlern, die das neue Produkt in ihre
Regale stellen, und bei den Kunden, die das Produkt schließlich kaufen sollen. Dazu benötigt
die Agentur zunächst alle wichtigen Informationen über das Produkt vom Hersteller. Dieses
erste Informationsgespräch zwischen Agentur und Hersteller heißt Briefing.
Gregor Michael:
Hallo! Tag, Herr Wenkel!
Peter Wenkel:
Ach, hallo. Ich suche mal wieder mein Auto. Auf diesem riesigen Firmenparkplatz brauche ich
immer eine Ewigkeit, um es wiederzufinden. Ich vergesse jedes Mal, wo ich es hingestellt hab'.
Na, alles klar bei Ihnen? Noch immer zufrieden mit der neuen Abfüll-Maschine, die Sie mir
neulich gezeigt haben?
Gregor Michaeli:
Alles klar. Wir sind schon dabei, die Maschinen umzurüsten für Ihr neues Dosensortiment.
Peter Wenkel:
Dann kann es also bald losgehen mit der Produktion.
Gregor Michaeli:
Was ich Sie schon immer mal fragen wollte: Wie geht das eigentlich, wenn unsere Firma ein
neues Produkt hat. Ich meine, da muss man doch Werbung machen, da braucht man doch
Werbeplakate und Anzeigen, und einen Film für die Fernseh-Werbung.
Sie sind doch der
Produktmanager. Machen Sie das alles alleine?
Peter Wenkel:
Ach, um Himmels willen, nein. Das wäre wohl ein bisschen viel. Dafür haben wir unsere
Werbeagentur. Ich komm' gerade vom Briefing.
Gregor Michaeli:
Ach, Sie verschicken Briefe?
Peter Wenkel:
Nein, ich erklär's Ihnen. Briefing' kommt aus dem Englischen. Das ist ein Informationsgespräch
zwischen mir und den Mitarbeitern von der Werbeagentur.
Gregor Michaeli:
Ach so, verstehe.
Peter Wenkel:
Ja, also, ich war dort und habe denen erstmal erzählt, wie das neue Produkt aussehen soll. Sie
wissen schon, dieses neue Mixgetränk wollen wir anbieten, Wodka-Lemon, und so weiter. Dann
habe ich denen erklärt, dass das Ganze in Dosen angeboten werden soll, 0,3 Liter Dosen;
Verkaufspreis so um die vier Mark, das müssen die ja alles wissen. Na ja, dann hab ich denen die
Dose gezeigt, das Design steht nämlich schon. Also, ich meine damit, wir haben schon einen
fertigen Entwurf, wie die Dose aussehen soll.
Gregor Michaeli:
Und, sind Sie zufrieden, ist sie schön geworden?
Peter Wenkel:
Oh, ja. Also nun, dann hab' ich noch die Ergebnisse der Marktforschung vorgelegt, damit die
Agentur-Leute auch wissen, für welche Zielgruppe unsere Neuheit bestimmt ist, wen wir mit
diesem Produkt ansprechen wollen.
Gregor Michaeli:
Wieso, ich dachte, alle Leute, also möglichst viele sollen das neue Produkt kaufen?
Peter Wenkel:
Na ja, schön wär's. Im Prinzip ja. Aber wir wollen mit dem neuen Mixgetränk auch ganz
bestimmte Käuferschichten ansprechen. Wissen Sie, vor allem jüngere Leute und Frauen trinken
eigentlich eher selten Wodka pur.
Gregor Michaeli:
Ja, da haben Sie wohl recht. Meine Frau zum Beispiel, die trinkt Schnaps niemals pur. Höchstens
mal ein Gläschen Bowle oder diese Cocktails.
Peter Wenkel:
Sehen Sie? Und wenn es da ein neues Getränk gibt, Wodka gemixt mit Lemon, nur fünf Prozent
Alkohol, was meinen Sie, würde Ihre Frau das trinken?
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dariaburaczek
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