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Syntax
Einführung in die Linguistik des Deutschen
www.schneid9.de/linguistik.html
Syntax
Typen von Satzdefinitionen:
logisch: z.B. „Ein Satz ist das Verhältnis zweier Begriffe.“
psychologisch: z.B. „Ein Satz ist der Ausdruck eines Gedankens.“
strukturell: z.B. „Ein Satz ist eine Verbindung aus Subjekt und Prädikat.“ / „Ein Satz ist
eine sprachliche Konstruktion, die ihrerseits nicht Teil einer größeren Kon-
struktion ist.“
phonologisch: z.B. „Ein Satz ist die kleinste Atemeinheit der normal dahinfließenden Rede.“
/ „Ein Satz ist eine Klangeinheit unter einem Spannungsbogen.“
orthographisch: z.B. „Ein Satz ist eine sprachliche Einheit, die durch Punkt, Frage- oder Aus-
rufezeichen abgeschlossen ist.“
Satz: „Nach sprachspezifischen Regeln aus kleineren Einheiten konstruier-
te Redeeinheit, die hinsichtlich Inhalt, gramm. Struktur und Intonation
relativ vollständig und unabhängig ist.“ (Hadumod Bußmann: Lexikon der
Sprachwissenschaft , Stuttgart 2 1990, S. 658)
Satzarten:
Ausdrucks-
absicht
Satz-
zeichen
Verb-
stellung
Beispiel
Aussagesatz (Deklarativsatz)
„Ich sage …“
.
2. Stelle Ich gehe einkaufen.
Frag esatz (Interrogativsatz)
Ergänzungsfrage (Infor m ationsfrage)
„Ich will …
wissen“
?
2. Stel l e Wohin gehst du?
Entscheidungsfrage (Ja/Nein-Frage)
1. Stel l e Gehst du in die Stadt?
Vergewisserungsfrage (Echofrage)
2. Stelle Du gehst in die Stadt?
Aufforderungssatz (Imperativsatz)
„Ich will, dass
du … tust“
!
1. Stelle Bring Brötchen mit!
Ausrufesatz (Exklamativsatz)
„Ich bewun-
dere …“
variabel
Das sind aber leckere
Brötchen!
!
Wunschsatz (Desiderativsatz)
„So soll(te)
es sein“
Hättest du doch Mar-
melade mitgebracht!
variabel
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Operationale Verfahren zur Ermittlung der Satzglieder:
Klangprobe: Wo lassen sich bei lautem Lesen (durch Stimmführung, Tonhöhe, Tonstärke
und Atemeinsatz) Satzgrenzen erkennen?
Verschiebeprobe: Welche Wörter des Satzes bilden untrennbare Gruppen, die geschlossen ver-
schoben werden können? ( Permutation )
Umstellprobe:
Können die ermittelten Wortgruppen umgestellt werden? ( Kommutation )
Ersatzprobe:
Können die ermittelten Wortgruppen als Einheiten ersetzt werden? ( Sub-
stitution )
Weglassprobe:
Welche Wörter und Satzglieder können weggelassen werden? ( Reduktion )
Frageprobe:
Können die ermittelten Wortgruppen erfragt werden?
Kriterien der Wortartenklassifikation:
semantisches Kriterium: gemeinsame Grundbedeutung der Wörter einer Wortart
morphologisches Kriterium: gemeinsame Wortformenbildung der Wörter einer Wortart
syntaktisches Kriterium:
gemeinsame Hauptfunktion der Wörter einer Wortart im Satz
Wortarten des Deutschen (nach der traditionellen Einteilung der Schulgrammatik):
Substantiv bezeichnet Lebewesen, Dinge, abstrakte Vorstellungen
Artikel
gibt das grammatische Geschlecht an
Pronomen
steht für ein Substantiv oder begleitet ein Substantiv
Numeral
gibt Zahlen, Zahlenverhältnisse und Mengen an
Adjektiv
bezeichnet Eigenschaften
Verb
steht für Vorgänge, Zustände, Handlungen
Adverb
charakterisiert Umstände
Präposition fügt nominale Glieder in den Satz ein
Konjunktion verbindet Wörter, Satzteile und Sätze
Interjektion drückt Gefühlswerte aus
Deklination = Flexion nach Genus, Numerus, Kasus
Konjugation = Flexion nach Person, Numerus, Tempus, Modus, Genus verbi
Komparation = Steigerung
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Satzglieder im Deutschen (nach der traditionellen Einteilung der Schulgrammatik):
Wortart
Kasus
Beispiel
Prädikat:
Verb
Sie schläft.
Prädikativum:
Adjektiv
indifferent Das Wetter ist schön.
Substantiv(gruppe)
No m inativ Er ist Rechtsanwalt.
Akkusativ Sie nannte ihn einen Lügner.
Subjekt:
Substantiv(gruppe)
oder Pronomen
Nominativ Der Postbote klingelte.
Akkusativobjekt:
Substantiv(gruppe)
oder Pronomen
Akkusativ Wir verpassten den Bus.
Dativobjekt:
Substantiv(gruppe)
oder Pronomen
Dativ
Er half seinem Vater.
Genitivobjekt:
Substantiv(gruppe)
oder Pronomen
Genitiv
Sie bedarf unserer Hilfe.
Präpositionalobjekt:
Präposition +
Substantiv(gruppe)
oder Pronomen
Akkusativ Ich warte auf den Bus.
Dativ
Sie steht zu ihrem Wort.
adverbialer Akkusativ: Substantiv(gruppe)
Akkusativ Er hat die ganze Zeit geschlafen.
adverbialer Genitiv:
Substantiv(gruppe)
Genitiv
Eines Tages geschah ein Unglück.
adverbiales
Präpositionalgefüge:
Präposition +
Substantiv(gruppe)
oder Pronomen
Akkusativ Das Glas fiel auf den Boden.
Dativ
Das Glas liegt auf de m Boden.
Genitiv
Er kam wegen der Annonce.
Satzadjektiv:
Adjektiv oder Partizip indifferent Das Essen schmeckt gut.
Satzpartikel:
Adverb
indifferent Sie sind gestern angekommen.
Erscheinungsformen der adverbiellen Bestimmung:
Adverb: z.B. morgen
Adjektivadverb : z.B. leserlich (adverbiell gebrauchtes Adjektiv)
präpositionale Fügung: z.B. auf Papier, mit dem Computer, an ihre Familie
adverbialer Genitiv/Akkusativ: z.B. eines Tages, jeden Abend
Adverbialsatz:
z.B. weil er Geld brauchte
Erscheinungsformen des Attributs:
Adjektiv/Partizip: z.B. das neue Buch, das gestohlene Buch
Pronomen:
z.B. dieses Buch, unser Buch, manches Buch
Numeral:
z.B. das zweite Buch
Attributsatz:
z.B. das Buch, das ich neulich gekauft habe
Apposition:
z.B. sein neues Buch, ein Kriminalroman
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Hauptsatz und Nebensatz:
Hauptsatz: – selbständig (kann für sich allein stehen)
– Verb in Zweit- oder Erststellung
Nebensatz: – unselbständig, von einem übergeordneten Satz grammatisch abhängig
– Verb typischerweise in Endstellung; Ausnahmen:
– Konditionalsätze mit Verb in Erststellung (z.B. Sollte er heute nicht kommen … )
– Modalsätze mit als und Verb in Zweitstellung (z.B. … als wäre er das erste Mal hier )
– indirekte Rede mit Verb in Zweitstellung (z.B. … es werde noch eine Weile dauern )
– ggf. einleitende Konjunktion, Relativ- oder Fragepronomen
Satzreihe und Satzgefüge:
Satzreihe: Reihung von Hauptsätzen (Parataxe)
Satzgefüge: Gefüge aus Haupt- und Nebensätzen (Hypotaxe)
Klassifizierung der Nebensätze:
funktional:
Subjektsatz: vertritt das Subjekt Dass Peter keinen Führerschein hat, überrascht mich.
Objektsatz: vertritt das Objekt Er hat mir mitgeteilt, dass er nächste Woche kommen will.
Attributsatz: vertritt ein Attribut Das Buch, das ich mir gekauft habe, ist ziemlich langweilig.
inhaltlich:
Temporalsatz: Zeitpunkt, Zeitdauer während, solange, sobald, sooft, als, wenn,
nachdem, seit, seitdem, bis, bevor, ehe …
Kausalsatz: Grund, Ursache weil, da …
Konditionalsatz: Voraussetzung, Bedingung wenn, sofern, falls …
Finalsatz:
Zweck, Ziel
damit, dass …
Konzessivsatz:
Gegengrund
obwohl, obgleich, wenngleich, wenn auch …
Konsekutivsatz: Folge, Wirkung
dass, sodass, als dass …
Modalsatz:
Art und Weise
indem, dadurch dass …
formal:
Konjunktionalsatz: z.B. Ich bin sicher, dass es dich interessiert.
Pronominalsatz: z.B. Ich weiß nicht, was ihn interessiert.
uneingeleiteter Nebensatz: z.B. Sollte es morgen regnen, werden wir wohl hier bleiben müssen.
Nebensatzäquivalente:
z.B. Endlich überredet, begann er zu erzählen. (Partizipialsatz)
Sie behauptet, die Lage beurteilen zu können. (Infinitivsatz)
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Phrasenstrukturgrammatik und Generative Grammatik:
Phrasenstrukturgrammatik
Generative Grammatik
Aufgabe:
Segmentierung und Klassifizierung
einer endlichen Zahl von Sätzen
innerhalb eines gegebenen Korpus
Formulierung von Regeln, mit denen
unendlich viele grammatisch richtige
Sätze generiert werden können
Vorgehensweise: beschreibend, induktiv, empirisch
erzeugend, deduktiv, mentalistisch
Untersuchungs-
gegenstand:
Parole realer Sprecher (Informanten)
Ú
Langue des idealen Sprechers
Ú
Kompetenz und Performanz:
Kompetenz: individueller Besitz des grammatischen Regelapparats, der dazu befähigt, unend-
lich viele grammatisch richtige Sätze zu produzieren bzw. Sätze hinsichtlich ihrer
Grammatikalität zu beurteilen
Performanz: Anwendung des inneren Regelapparats durch Erzeugung von Sätzen (unter be-
stimmten individuellen und situativen Bedingungen)
Grammatikalität und Akzeptabilität:
grammatisch: grammatisch richtig und wohlgeformt, d.h. in Übereinstimmung mit den Regeln
der Sprache gebildet (Entscheidung auf der Ebene der Kompetenz )
akzeptabel:
natürlich und unmittelbar verständlich, in keiner Weise bizarr oder fremdartig, in
der Kommunikation verwendbar, ohne Verwunderung oder Unverständnis hervor-
zurufen (Entscheidung auf der Ebene der Performanz )
Beispiele:
akzeptabel
inakzeptabel
grammatisch
Ich hole meinen Onkel vom
Bahnhof ab .
Ich hole den von meinen jetzt meine in Köln
wohnende Tante besuchenden Eltern angekündig-
ten Onkel vom Bahnhof ab .
ungrammatisch Ich hol mein Onkel vom
Bahnhof ab .
Ich Onkel ab meinen Bahnhof vom hole .
Performanz
Kompetenz
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