Ritter Roland - 19 - Günther Herbst - Der Racheschwur.pdf

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Der Racheschwur
von Günther Herbst
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kleser: Larentia
Version 1.0
Wieder und wieder krachten die Rammböcke der
Belagerungsmaschinen gegen die Schutzmauer der
ritterlichen Burg. Die Steine seufzten in ihrem Verbund,
und der Mörtel rieselte in grauen Staubwolken auf die
Belagerer hinab. Schon zeigten sich breite Risse und
kopfgroße Löcher in dem Bollwerk. Lange könnte es nicht
mehr dauern, bis die Mauer unter den wuchtigen
Rammstößen zerbarst. Dann war der Weg frei für den
Sturmangriff der gräflichen Getreuen. Graf Eduard fieberte
dem Augenblick des Zusammenbruchs mit großer
Erwartung entgegen. Er hatte Ritter Walther Rache
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geschworen, der es gewagt hatte, sich gegen ihn zu
erheben. Für dieses schändliche und treulose Tun mußte
er zur Rechenschaft gezogen werden.
Dann war es soweit. Unter ohrenbetäubendem Getöse
stürzte ein Teil der Burgmauer ein ...
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»Auf in den Kampf, Männer!« rief Graf Eduard.
Seine Getreuen bedurften der Aufforderung nicht. Sie stürmten
bereits vorwärts, mit gezückten Schwertern, mörderischen
Streithämmern und stoßbereiten Lanzen. Das Licht der
nachmittäglichen Sonne spiegelte sich im blinkenden Stahl der
Waffen. Ihre gellenden Kriegsschreie ließen die Erde erbeben.
Graf Eduard setzte sich an die Spitze seiner Männer. Zwar hatte er
das fünfte Jahrzehnt seines Lebens fast vollendet, aber er war nach
wie vor ein guter Kämpfer. Die Muskelkraft seines Armes, die
Sicherheit seines Auges und die Geschmeidigkeit seiner
Bewegungen suchten noch immer ihresgleichen. Er war auch jetzt
noch Manns genug, es mit jedem Jüngeren aufzunehmen.
Die Lücke, die sich in der Burgmauer aufgetan hatte, war breit
genug, um die Angreifer ohne Schwierigkeiten hindurchschlüpfen zu
lassen. Graf Eduard kletterte über den kleinen Hügel niedergestürzter
Steine und stürmte auf den Innenhof der ritterlichen Burg. Seine
Getreuen folgten ihm auf dem Fuße.
Pfeile jagten den Eindringlingen entgegen. Sie kamen aus den
Fenstern des Wohnturms, vom Wehrgang unterhalb des Daches, aus
der Tür des Gesindehauses. Aber die Schüsse wurden hastig und
überstürzt abgegeben, waren schlecht gezielt. Fast alle gingen fehl.
Und diejenigen, die den Gräflichen doch gefährlich werden konnten,
wurden von den Schilden aufgefangen oder glitten an den
Harnischen ab.
Verächtlich kräuselte Graf Eduard die Lippen. »Feiges Gesindel!
Statt sich im offenen Kampf zu stellen, verstecken sie sich wie die
Mäuse vor der Katze.«
Verwundert war er nicht. Ritter Walther hatte sich nie durch
besonderen Mut hervorgetan, hatte schon immer hinterhältige Arglist
auf sein Banner geschrieben. Eduard bedauerte zutiefst, daß er den
Schurken seinerzeit mit einem Lehen bedacht hatte. Aber damit hatte
es jetzt ein Ende, ein für allemal.
»Mir nach!« rief er und eilte im Sturmschritt auf die Eingangstür
des Wohnturms zu.
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Die Tür bestand aus schweren Bohlen und war mit eisernen
Beschlägen verstärkt. Und sie war natürlich verschlossen. Aber
dieser Umstand bereitete dem Grafen kein Kopfzerbrechen.
»Öffnet die Tür«, befahl er.
Zwei seiner Getreuen traten vor, die Streitäxte in den erhobenen
Fäusten. Mit wuchtigen Hieben trieben sie den scharfgeschliffenen
Stahl in das Holz. Die Tür zitterte in ihrer Verankerung, fingergroße
Späne flogen durch die Gegend. Die Metallbeschläge beulten sich,
platzten ab. Noch ein paar krachende Schläge, dann war die Tür
gesprengt. Mit ein paar kräftigen Fußtritten ließ sie sich aufstoßen.
Graf Eduard war der erste, der in den Wohnturm eindrang.
Niemand stellte sich ihm entgegen. Unbehelligt erreichte er die nach
oben führende Wendeltreppe. Seine Männer waren dicht hinter ihm.
Sie brannten darauf, endlich mit einem Gegner handgemein werden
zu können.
Und dazu sollten sie bald Gelegenheit bekommen...
Noch immer von niemandem behindert, hasteten die Männer die
Treppe empor. Sie erreichten das Geschoß, in dem sich die
Aufenthaltsräume der ritterlichen Getreuen befanden. Abermals
standen sie vor einer verschlossenen Tür.
Wieder krachten die Streitäxte gegen die Bohlen. Binnen kürzester
Zeit war das Hindernis aus dem Weg geräumt. Auch jetzt war der
Graf der erste, der die Schwelle überschritt.
Nun aber stieß er auf Widerstand. Fünf, sechs, sieben Bewaffnete
stürzten sich ihm entgegen. Mit erhobenen Schwertern drangen sie
ungestüm auf ihn ein.
Zu ungestüm ...
Eduard gelang es, sie sich mit Hilfe des Schilds und seines eigenen
Schwertes vom Leibe zu halten. Augenblicke später traten ihm seine
Männer zur Seite.
»Nieder mit den Verrätern!«
Schlagend und stechend trieben sie die Männer des Grafen Walther
zurück. Sie waren im Kriegshandwerk weitaus besser geschult als die
hergelaufenen Gesellen Walthers, von denen nur einige wenige dem
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